Stadion Aldo Drosina, (c) Ben Fischer / benanza.pix
Groundhopping Magazin

Pula, Pech und Popcorn

Was gibt es schöneres als ein paar Urlaubstage im malerischen Rovinj mit einem Stadionbesuch im benachbarten Pula zu verbinden? Zu Besuch beim NK Istra 1961.

Was gibt es schöneres als ein paar Urlaubstage im malerischen Rovinj mit einem Stadionbesuch im benachbarten Pula zu verbinden? Rückblickend betrachtet möchte man fast sagen, vieles! Glücklicherweise ist der Fußballfan in mir Kummer gewohnt und zudem leicht zu begeistern, wenn es darum geht, einen neuen „Ground“ zu erkunden. Mein Objekt der Begierde war das Stadion Aldo Drosina, die Heimat des NK Istra 1961. Aber der Reihe nach…

Mit dem Bus ging es vom Urlaubsdomizil Rovinj in die mit knapp 60.000 Einwohnern größte Stadt Istriens, die eher industriell geprägte Hafenstadt Pula. Während Rovinj seine Besucher mit pittoresk-mediterranem Charme schnell begeistert, dürfte Pula eher etwas für eingefleischte „Ostalgiker“ sein. Abgesehen von dem gut erhaltenen Amphitheater kommt einem beim Blick auf die Stadt unweigerlich der Gedanke „schön ist das nicht“. Zum Glück gibt es da noch den lokalen Fußballclub. Als Tabellenneunter empfing der NK Istra 1961 am 34. Spieltag der ersten kroatischen Liga den Tabellenachten Inter Zapresic. Was nach einem belanglosen Mittelfeldkick klingt, versprach bei genauerer Betrachtung das Potenzial zur Abstiegsschlacht. Da die Liga nur zehn Startplätze hat traf tatsächlich der Vorletzte auf den Vorvorletzten aus Zapresic, einer Kleinstadt vor den Toren Zagrebs.

Ein Stadion – zwei Gesichter

Das Stadion Aldo Drosina, im Jahr 2003 nach dem vereinsnahen Fußballspieler und späteren Trainer Rinaldo Drosina benannt, ist ein reines Fußballstadion mit Kunstrasen. In die Vereins- bzw. Stadtfarben Grün und Gelb gehüllt bietet es rund 9.000 Zuschauern Platz. Während das Stadion von innen nach diversen Renovierungen durchaus ein kleines Schmuckkästchen ist, passt es sich von außen betrachtet seiner Umgebung an. Fabrikruinen, betonierte Parkflächen und Plattenbauten treffen auf eine Stadionfassade, die seit den achtziger Jahren unberührt scheint. Wieder schießt mir der schon erwähnte Gedanke in den Kopf.

Aber es geht ja um das Stadionerlebnis als Ganzes. Und da kann zumindest die Preisstruktur definitiv punkten: Schlanke 40 Kuna – etwas mehr als fünf Euro – kostet ein Ticket für die besten Plätze auf der voll überdachten Haupttribüne. Für ein großes Bier („Ozujsko“) in einer der stadionnahen Pinten legt man rund zwei Euro hin. Und auch im Stadion sind die Bier- und Popcornpreise absolut moderat. Ja, richtig, Popcorn! Statt Stadionwurst und Fritten bekommt man auf Pulas Tribünen Popcorn und Nüsse. Klingt eigentlich nach guter Unterhaltung, wenn da nur das Spiel selbst nicht wäre.

“Fankultur” auf kroatisch

Begleitet von einer Mischung aus Punkrock und feinstem kroatischen Schlager versuchten sich Spieler und Zuschauer gleichermaßen auf Betriebstemperatur zu bringen, was zumindest letzteren nur schwerlich gelang. Ein für Mitte Mai überraschend eisiger Wind pfiff durch das eher luftig gestaltete Stadion. Der Linienrichter lief gar mit Handschuhen auf. Rund 20 Mitglieder der „Demoni Pula“, dem 1992 gegründeten Fanclub, versuchten so etwas wie Stimmung auf den Rängen zu verbreiten, die ansonsten weitgehend leer blieben. Nur insgesamt 488 Zuschauer fanden an diesem Tag ihren Weg ins Stadion, die gegnerischen Fans waren gleich gesammelt zuhause geblieben.

Entsprechend verlief das Spiel selbst. Zwar startete Istra durchaus schwungvoll in die Partie, hatte aber spätestens beim Torabschluss wohlwollend ausgedrückt etwas Pech. Und so ging zehn Minuten vor der Halbzeit der Gast aus Zapresic mit der ersten guten Aktion in Führung, begleitet von lautstarken Beschimpfungen von der Haupttribüne. Doch auch die treuesten Fans konnten nicht verkennen, dass ihr Team nicht ganz zu Unrecht im Tabellenkeller zuhause ist. Denn auch die in der Schlussphase leidenschaftlichen Bemühungen, doch noch zum Ausgleich zu kommen, scheiterten abermals am eigenen „Pech“, um nicht zu sagen Unvermögen. Und so brachte es mein Sitznachbar, ein kerniger älterer Mann, mit sonnengegerbter Haut, nach dem Spiel auf den Punkt, also er kopfschüttelnd ausrief: Katastropho, Katastropho…“. Dem konnte ich mich leider nur anschließen und dachte beim Verlassen des kleinen Stadions abermals „ne, schön ist das nicht“.

NK Istra 1961 (Pula) vs. Inter Zapresic (0 – 1)

Hrvatski Telekom Prva liga
34. Spieltag, 14.05.2019, 16.30 Uhr
Stadion Aldo Drosina, 488 Zuschauer
Torschütze: 0 – 1 Serder Serderov (36. Min)

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